23
Apr
2009

Trauer und Verlust - Der Prozess

Regenbogen

Trauer uns Verlust

Wo wir auch leben, welche Sprache wir auch sprechen
mögen, wir Menschen teilen eine gemeinsame Erfah-
rung: Es ist unser Schicksal, dass wir Menschen oder Dinge
verlieren, die unserem Herzen nahe stehen. Dieser Verlust kann
uns ohne Vorwarnung aus heiterem Himmel treffen. Oder er
kündigt sich an, ohne dass wir etwas dagegen unternehmen
könnten. Jede Erfahrung von Verlust erweckt in uns bestimm-
te Gefühle oder Erinnerungen. Für die einen scheinen solche
Erfahrungen ohne weitergehende Bedeutung zu sein, bei ande-
ren hingegen verändert eine solche Erfahrung den Lauf ihres
Lebens für immer. Wenn sich jemand oder etwas aus unserem
Leben verabschiedet, erfahren wir eine Vielfalt von körper-
lichen, emotionalen und spirituellen Empfindungen, die unter
dem Namen »Trauer« zusammengefasst werden. Im Wörter-
buch lesen wir zum Thema »Trauer«: tiefer seelischer Schmerz
über einen Verlust oder ein Unglück.
Aber warum gibt es überhaupt eine Empfindung wie Trau-
er und warum müssen wir sie durchleben? Trauer erfüllt einen
überaus wichtigen Zweck in der menschlichen Seele. Sie ist
unsere Reaktion auf einen Verlust. In ihr drückt sich unser
grundlegendes Gefühl der Unsicherheit aus. Unsere Angst vor
dem Verlassenwerden, unsere Verletzlichkeit steigen an die
Oberfläche und zwingen uns zur Auseinandersetzung. Die fest
gefügte Welt, auf die wir unser Glaubenssystem, unsere Ziele,
unseren ganzen Lebensentwurf gegründet haben, ist plötzlich
außer Kontrolle geraten. Wir sind verängstigt und fühlen uns
ausgeliefert. Der Großteil der Menschen verdrängt solche nega-
tiven Emotionen lieber, doch sind sie für unser Wohlbefinden
letztlich genauso wichtig wie unsere positiven Gefühle. Um
ganz Mensch zu sein, brauchen wir den positiven wie den nega-
tiven Aspekt der Erfahrung. Mitunter heißt es sogar, dass wir
unsere positiven Gefühle ohne die Erfahrung negativer Emo-
tionen gar nicht richtig würdigen könnten. Darum ist es so
wichtig, dass wir uns leidvollen Erfahrungen stellen und sie
durchleben, denn nur so können wir innere Stärke und Selbst-
vertrauen aufbauen. Das Schlimmste, was wir in einem sol-
chen Fall tun können, ist, diese Gefühle nicht wahrhaben zu
wollen und zu verdrängen. Auf diese Weise blockieren wir
lediglich unser spirituelles Wachstum.

Sie werden erkennen, dass der Verlust eines geliebten Menschen bei aller Trauer und allem Schmerz die Chance bietet, sich der Fülle des Lebens zu öffnen.”

James van Praagh

Ein weiterer Punkt, den wir uns merken sollten, ist, dass
Kummer keine Krankheit ist, von der wir uns wieder erholen
müssen. Kummer ist nicht einfach eine isolierte Störung, son-
dern ein vielschichtiges körperliches und seelisches Phänomen.
Niemand kann letztlich sagen, wie viel Trauer wir brauchen,
bis unser Bedürfnis, »Trauer zu tragen«, sich erschöpft hat.
Auf keinen Fall sollten Sie sich irgendeinem äußeren Druck
beugen, was die Art und Weise angeht, wie Sie trauern, denn
hier gibt es kein »richtig« oder »falsch«. Aber es gibt heilsa-
me, konstruktive Möglichkeiten, den Trauerprozess zu durch-
leben, ebenso wie ungesunde und schädliche, die das Ausmaß
des Leidens nur noch vergrößern.
Immer wenn ein geliebter Mensch stirbt, geht mit ihm auch
ein kleines Stück unserer Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Ein lebendiges menschliches Wesen wurde aus unserer Mitte
gerissen. Mit einem raschen Streich wird das Band zwischen
zwei Menschen zerschnitten. Wir fühlen uns zum Narren
gehalten, zornig, traurig und verwirrt. Das Herz schmerzt uns,
wenn wir an all das denken, was ungetan und ungesagt blieb.
Wir fragen uns vielleicht, warum ein unschuldiges, junges
Leben ausgelöscht wird, während irgendein Tunichtgut weiter
auf dieser Erde umherlaufen darf. Wenn wir um unsere Ver-
storbenen trauern, dann ist das nichts, was wir mit dem Ver-
stand erledigen können. Wir müssen lernen, unsere Gefühle zu
verstehen und mit der Situation Frieden zu schließen. Sogar
wenn eine Person des öffentlichen Lebens stirbt, durchlaufen
wir einen Trauerprozess. Wichtig dabei ist, inwieweit wir per-
sönlich Anteil an diesem Menschen genommen haben. Als John
F. Kennedy jr. starb, beweinten viele Menschen seinen Tod,
obwohl sie ihn nicht kannten. Sein Tod weckte Erinnerungen
an seinen Vater, seinen Onkel, seine Mutter; an eine Zeit, in
der das Leben noch einfacher zu sein schien. In solchen Augen-
blicken betrauern wir den Verlust dessen, was hätte sein kön-
nen, besonders dann, wenn wir das Gefühl haben, dass uns
das Leben allzu schnell durch die Finger rinnt. Wir fühlen auch,
wie zerbrechlich unser eigenes Leben ist, da wir nicht wissen,
wann unsere letzte Stunde schlägt. Der Tod ängstigt uns. Wir
verstehen ihn nicht, und so trauern wir immer auch gleichzei-
tig um unsere eigene Sterblichkeit.

Kommentare

Wenn wir um unsere

Wenn wir um unsere Ver-
storbenen trauern, dann ist das nichts, was wir mit dem Ver-
stand erledigen können. Wir müssen lernen, unsere Gefühle zu
verstehen und mit der Situation Frieden zu schließen.

Ich kann meine Gefühle nicht,
verstehen und ich kann mit der Situation nicht umgehen.