01
Sep
2009

Geister sind unter uns Teil 1

Die Liebe eines Großvaters

Das erste Mal, dass ich die Wesen aus einer anderen Welt bewusst wahrnahm, werde ich nie vergessen. Ich lag in meinem Kinderbettchen und hörte die Erwachsenen im Nebenzimmer lachen und sich amüsieren. Nichts hätte ich mir mehr gewünscht, als bei meinen Eltern sein zu dürfen. Und was tut ein Kleinkind in einer solchen Situation? Es brüllt wie am Spieß, um die Aufmerksamkeit der Großen zu erregen. Und tatsächlich, meine Mutter kam, nahm mich hoch und sprach besänftigend auf mich ein. Aber dann ging sie wieder. Warum verstand sie denn nicht, dass ich bloß nicht allein sein wollte? Und so lag ich wach und lauschte auf die Geräusche aus dem Nebenzimmer. Nacht für Nacht.Irgendwann fing ich dann an, kleine funkelnde Lichtpunkte wahrzunehmen, die in meinem Zimmer umhertanzten und an den Wänden und um mich herum wunderschöne Muster bildeten. Diese funkelnden Lichter faszinierten mich.Eines Nachts fügten sie sich dann zu einer Gestalt zusammen.In einer Ecke meines Zimmers erkannte ich den Schatten eines Mannes, dessen blitzblaue Augen in der Dunkelheit funkelten. Er hatte ein Leuchten an sich, das von innen kam. Ich empfand seine Anwesenheit als beruhigend und liebevoll.Er ging näher an mein Bettchen heran und lächelte.Da war nichts, wovor ich hätte Angst haben müssen; der Mann kam mir vertraut vor. Er sagte zwar kein Wort, aber ich konnte verstehen, was er dachte. Nach seinem ersten Erscheinen kam er immer mal wieder vorbei und schenkte mir Gedanken von scheckigen Ponys, die in einer Art Arena herumtrabten. Ich verstand diese Gedanken, weil sie mich in Form von Bildern erreichten, und hatte immer das Gefühl,dass ganz viel Licht und Liebe von ihnen ausging. Als ich größer wurde, hörten die Besuche des Mannes mit den blauen Augen auf.Kurz bevor ich in den Kindergarten kam, verbrachte ich die Wochenenden oft bei meiner Großmutter. Wir hatten eine ganz besondere Beziehung zueinander, und wenn wir beisammen waren, gab es immer etwas Leckeres zu essen und wir haben wahnsinnig viel miteinander gelacht. Einmal holte ich mir das Fotoalbum meiner Oma aus dem Schrank. Sie setzte sich neben mich und erzählte mir von den Leuten, die auf den Fotos zu sehen waren. Als ich das Bild eines Mannes mit blitzblauen
Augen sah, der vor einem Baum stand, deutete ich darauf und fragte: »Wer ist das?«
»Das ist dein Großvater«, sagte sie. »Er starb schon vor deiner Geburt. Er stammte aus England und ist nach Amerika gekommen, um hier beim Rodeo zu arbeiten. Weißt du, sein Job war es, für die Wild West Show von Buffalo Bill die Zelte mit aufzubauen.« »Den kenne ich. Als ich noch ein Baby war, kam er mich immer besuchen und erzählte mir von den Pferden.«
Meine Großmutter lächelte, und ich spürte, dass sie mir nicht glaubte, obwohl sie bestätigte: »Ja, Geschichten über Cowboys und Indianer hat er immer gern erzählt.« Jahre später, ich hatte bereits begonnen, als Medium zu arbeiten,wollte ich nach einer Beratung gerade den Kassettenrekorder abstellen, als ich irgendwo in einer Ecke des Raums einen Geist sagen hörte: Du bist ein guter Junge, James. Ich bin so stolz auf dich, Sohn. Sein freundlicher Ton löste bei mir eine Erinnerung aus, die Erinnerung an den Mann mit den blitzblauen Augen. Kein Zweifel: Das war mein Großvater. Zu wissen, dass er immer noch um mich war und auf mich aufpasste,beruhigte mich ganz ungemein.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages. Auszug aus der online Leseprobe!